Was ist Buddhismus?

 

 

 

 

 

Die folgenden Informationen, welche Ihnen einen Einblick in die Buddhistische Lehre geben, sind dem Buch Wie wir unser Leben verwandeln des Ehrwürdigen Geshe Kelsang Gyatso entnommen (© mit freundlicher Genehmigung des Tharpa Verlags). Der Überblick umfasst die folgenden 8 Bereiche:

 

Buddhismus

01. Buddhismus
02. Was ist Geist?
03. Wiedergeburt
04. Karma
05. Entsagung
06. Mitgefühl
07. Bodhichitta
08. Endgültige Wahrheit – Leerheit

 

 

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01. Buddhismus

Alle Lebewesen haben den gleichen grundlegenden Wunsch, glücklich zu sein und Leiden zu vermeiden, aber sehr wenige Menschen verstehen, was die wahren Ursachen von Glück und Leiden sind.

Vielfach sind wir der Ansicht, dass äußere Umstände, wie zum Beispiel Essen, Freunde, Autos und Geld, die wahren Ursachen für Glück sind, und infolgedessen verwenden wir fast unsere gesamte Zeit und Energie darauf, sie zu erlangen. Oberflächlich gesehen, scheint es, als ob diese Dinge uns glücklich machen könnten, wenn wir es aber genauer betrachten, bemerken wir, dass sie uns auch viele Leiden und Probleme bringen.

Glück und Leiden sind Gegensätze. Wenn daher etwas eine wahre Ursache für Glück ist, kann es nicht zu Leiden führen. Wenn Essen, Geld und ähnliches wirklich die Ursache für Glück sind, können sie niemals die Ursache für Leiden sein, doch wir wissen aus eigener Erfahrung, dass sie oft der Grund für Leiden sind. Eines unserer Hauptinteressen zum Beispiel ist Essen, aber das Essen, das wir zu uns nehmen, ist auch die Hauptursache für den größten Teil unserer schlechten Gesundheit und unserer Krankheiten.

Bei der Herstellung der Dinge, von denen wir glaubten, dass sie uns glücklich machen würden, haben wir unsere Umwelt in einem solchen Ausmaß verschmutzt, dass die Luft, die wir atmen, und das Wasser, das wir trinken, unsere Gesundheit und unser Wohlergehen bedrohen. Wir lieben die Freiheit und Unabhängigkeit, die uns ein Auto gibt, aber der Preis, den wir in Form von Unfällen und Zerstörung der Umwelt bezahlen müssen, ist enorm hoch.

Wir haben das Gefühl, dass Geld grundlegend wichtig ist, damit wir das Leben genießen können, aber das Streben nach Geld kann auch zu riesigen Problemen und Sorgen führen. Selbst unsere Familie und unsere Freunde, mit denen wir so viele glückliche Momente erleben, können uns viele Sorgen und Kummer bereiten.

In den letzten Jahren ist unser Wissen und unsere Kontrolle über die äußere Welt stark angewachsen, und infolgedessen haben wir einen erstaunlichen materiellen Fortschritt erlebt. Doch das Glück der Menschen ist nicht entsprechend angewachsen.

In der Welt von heute gibt es nicht weniger Leiden, und die Probleme sind nicht geringer geworden. Tatsächlich könnte man sagen, dass es heute mehr Probleme und größere Unzufriedenheit gibt als jemals zuvor. Das zeigt, dass die Lösung unserer Probleme und der Probleme der Gesellschaft als ganzes nicht im Wissen und der Kontrolle über die äußere Welt liegt.

Warum ist das so? Glück und Leiden sind Geisteszustände, und daher kann ihre Hauptursache nicht außerhalb des Geistes gefunden werden. Ist unser Geist friedvoll, sind wir jederzeit glücklich, unabhängig von äußeren Umständen, wenn er aber in irgendeiner Weise gestört oder unruhig ist, werden wir niemals glücklich sein, wie gut auch unsere äußeren Umstände sein mögen.

Äußere Umstände können uns nur glücklich machen, wenn unser Geist friedvoll ist. Unsere eigene Erfahrung zeigt es uns. Zum Beispiel verschwindet jedes Glück sofort, wenn wir wütend werden, selbst wenn wir uns in der schönsten Umgebung befinden und alles besitzen, was wir benötigen, denn die Wut hat unseren inneren Frieden zerstört.

Daraus können wir ersehen, dass wir eine besondere Erfahrung von innerem Frieden entwickeln und aufrechterhalten müssen, wenn wir wahres, anhaltendes Glück finden wollen. Die einzige Methode, mit der wir dies erreichen können, ist die Schulung unseres Geistes durch die spirituelle Praxis, d.h. dass wir allmählich unsere negativen, gestörten Geisteszustände vermindern und beseitigen und sie durch positive, friedvolle Geisteszustände ersetzen. Schließlich werden wir durch die ständige Verbesserung unseres inneren Friedens immerwährenden inneren Frieden oder «Nirvana» erfahren. Haben wir einmal Nirvana erlangt, werden wir unser ganzes Leben lang und Leben für Leben glücklich sein. Wir haben alle unsere Probleme gelöst und unserem Menschenleben wahren Sinn gegeben.

 

 

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02. Was ist Geist?

Manche Leute denken, der Geist sei das Gehirn oder ein anderer Teil oder eine Funktion des Körpers. Das ist jedoch nicht richtig. Das Gehirn ist körperlich, etwas, das man mit den Augen sehen kann. Es kann fotografiert werden, und es kann operiert werden. Der Geist hingegen ist nicht körperlich. Er kann weder mit den Augen gesehen werden, noch kann man ihn fotografieren oder durch eine Operation wiederherstellen. Das Gehirn ist deshalb nicht der Geist, sondern einfach nur ein Teil des Körpers.

Innerhalb unseres Körpers gibt es nichts, was wir als unseren Geist identifizieren können, weil Körper und Geist verschiedene Wesenheiten sind. Unser Geist kann zum Beispiel sehr beschäftigt sein, von einem Objekt zum anderen springen, während unser Körper entspannt und regungslos ist. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Körper und Geist nicht von gleicher Natur sind.

In den buddhistischen Schriften wird unser Körper mit einem Gasthaus verglichen und unser Geist mit einem Gast, der darin verweilt. Sterben wir, verlässt unser Geist unseren Körper und geht ins nächste Leben über, so wie ein Gast eine Herberge verlässt und weiter zieht.

Wenn der Geist nicht das Gehirn oder irgendein anderer Teil unseres Körpers ist, was ist er dann? Er ist ein formloses Kontinuum mit der Funktion, Objekte wahrzunehmen und zu verstehen. Weil der Geist von Natur aus formlos oder immateriell ist, kann er auch nicht durch materielle Objekte behindert werden.

Es ist sehr wichtig, unfriedliche Geisteszustände von friedvollen Geisteszuständen unterscheiden zu können. Wie im vorherigen Kapitel erklärt wurde, werden Geisteszustände, die unseren inneren Frieden stören, wie Wut, Neid und begehrende Anhaftung, Verblendungen genannt. Sie sind die Hauptursachen für alle unsere Leiden.

Wir denken vielleicht, unsere Leiden seien durch andere Menschen, durch schlechte materielle Umstände oder durch die Gesellschaft verursacht. In Wirklichkeit jedoch entstehen Leiden durch unsere verblendeten Geisteszustände. Die Essenz der Dharma-Praxis ist es, unsere Verblendungen zu vermindern und schließlich ganz auszulöschen und sie durch immerwährenden inneren Frieden zu ersetzen. Das ist der wahre Sinn unseres Menschenlebens.

Der wichtigste Punkt beim Verstehen des Geistes ist, dass die Befreiung von Leiden nicht außerhalb des Geistes gefunden werden kann. Beständige Befreiung kann nur durch die Reinigung des Geistes gefunden werden. Wenn wir frei von Problemen sein und anhaltenden Frieden und immerwährendes Glück finden wollen, müssen wir daher unser Wissen und Verständnis des Geistes vertiefen.

Für ein tieferes Verständnis der Natur und Funktionen des Geistes, siehe das Buch Den Geist verstehen.

 

 

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03. Wiedergeburt

Viele Menschen glauben, dass nach dem Tod und Zerfall des Körpers auch das Kontinuum des Geistes ein Ende nimmt und dass der Geist nicht weiterexistiert, so wie eine Kerzenflamme, deren Wachs verbrannt ist. Es gibt sogar Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, Selbstmord zu begehen, in der Hoffnung, dass mit ihrem Tod ihre Probleme und Leiden ein Ende finden; diese Ansichten sind aber völlig falsch.

Wie bereits erklärt, sind unser Körper und Geist getrennte Wesenheiten. Obwohl der Körper beim Tod zerfällt, erfährt das Kontinuum des Geistes keine Unterbrechung. Anstatt ein Ende zu finden, verlässt der Geist ganz einfach den gegenwärtigen Körper und geht in das nächste Leben über.

Gewöhnlichen Wesen bringt der Tod nur neue Leiden, anstatt sie von ihrem Elend zu erlösen. Da sie dies nicht verstehen, zerstören viele Menschen ihr kostbares menschliches Leben, indem sie Selbstmord begehen.

Wir können ein Verständnis von vergangenen und zukünftigen Leben gewinnen, indem wir die Vorgänge des Schlafens, Träumens und Aufwachens untersuchen, weil sie den Vorgängen des Todes, des Zwischenzustandes und der Wiedergeburt sehr ähnlich sind.

Wenn wir einschlafen, sammeln sich unsere groben inneren Winde und lösen sich nach innen auf. Unser Geist wird zunehmend subtiler, bis er sich in den sehr subtilen Geist des Klaren Lichtes des Schlafes umwandelt. Während das Klare Licht des Schlafes manifest ist, sind wir im Tiefschlaf und sehen für Außenstehende wie tot aus. Wenn es endet, wird unser Geist zunehmend gröber, und wir durchschreiten die verschiedenen Stadien des Traumzustandes. Schließlich werden unser normales Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit der geistigen Kontrolle wieder- hergestellt, und wir wachen auf. Wenn das geschieht, verschwindet unsere Traumwelt, und wir nehmen die Welt des Wachzustandes wahr.

Ein sehr ähnlicher Vorgang spielt sich während unseres Todes ab. Wenn wir sterben, lösen sich unsere Winde nach innen auf, und unser Geist wird zunehmend subtiler, bis sich der sehr subtile Geist des Klaren Lichtes des Todes manifestiert. Die Erfahrung des Klaren Lichtes des Todes ist der Erfahrung des Tiefschlafs sehr ähnlich.

Wenn das Klare Licht des Todes aufhört, erfahren wir die Stadien des Zwischenzustandes oder Bardos auf tibetisch, der ein traumähnlicher Zustand ist und zwischen Tod und Wiedergeburt auftritt. Nach wenigen Tagen oder Wochen endet der Zwischenzustand, und wir werden wiedergeboren. So wie die Traumwelt beim Erwachen aus dem Schlaf verschwindet und wir die Welt des Wachzustandes wahrnehmen, so hören bei der Wiedergeburt die Erscheinungen des Zwischenzustandes auf, und wir nehmen die Welt unseres nächsten Lebens wahr.

Der einzig bedeutsame Unterschied zwischen dem Vorgang des Schlafens, Träumens und Aufwachens und dem Vorgang des Sterbens, des Zwischenzustandes und der Wiedergeburt besteht darin, dass nach der Beendigung des Klaren Lichtes des Schlafes die Verbindung zwischen unserem Geist und unserem gegenwärtigen Körper intakt bleibt, während sie nach dem Klaren Licht des Todes abbricht.

Wenn wir darüber nachdenken, werden wir die Überzeugung gewinnen können, dass vergangene und zukünftige Leben existieren.

Weitere Informationen über Wiedergeburt sind in den Büchern Einführung in den Buddhismus und Freudvoller Weg enthalten.

 

 

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04. Karma

Das Gesetz des Karmas ist ein Spezialfall des Gesetzes von Ursache und Wirkung. Gemäß diesem Gesetz sind alle Handlungen unseres Körpers, unserer Rede und unseres Geistes Ursachen, und alle unsere Erfahrungen sind deren Auswirkungen. Das Gesetz des Karmas erklärt, warum jedes Individuum eine einzigartige geistige Veranlagung, eine einzigartige körperliche Erscheinung und einzigartige Erfahrungen hat: Es sind die verschiedenen Auswirkungen der zahllosen Handlungen, die jeder einzelne in der Vergangenheit ausgeführt hat. Wir können keine zwei Personen finden, die die genau gleiche «Geschichte» von Handlungen in ihren vergangenen Leben erschaffen haben, und deshalb können wir keine zwei Personen mit identischen Geisteszuständen, identischen Erfahrungen und identischer körperlicher Erscheinung finden.

Jede Person hat ein anderes, individuelles Karma. Es gibt Menschen, die sich guter Gesundheit erfreuen, während andere dauernd krank sind. Es gibt Menschen, die sehr schön sind, während andere sehr häßlich sind. Es gibt Menschen mit frohem Gemüt, die leicht zufriedenzustellen sind, während andere mürrisch veranlagt sind und sich selten über etwas freuen. Manche verstehen die Bedeutung von spirituellen Unterweisungen mit Leichtigkeit, während andere die Unterweisungen schwierig und unverständlich finden.

Karma bedeutet «Handlung» und bezieht sich auf die Handlungen unseres Körpers, unserer Rede und unseres Geistes. Jede von uns begangene Handlung hinterlässt eine Prägung in unserem sehr subtilen Geist, und jede Prägung hat irgendwann ihre eigene Auswirkung zur Folge.

Unser Geist gleicht einem Feld, und das Ausführen von Handlungen gleicht dem Säen von Samen in dieses Feld. Tugendhafte Handlungen setzen Samen für zukünftiges Glück, und nicht-tugendhafte Handlungen setzen Samen für zukünftiges Leiden. Die Samen, die wir in der Vergangenheit gesät haben, ruhen in unserem Geist, bis die Bedingungen für ihre Reifung entstehen. In manchen Fällen geschieht dies erst viele Leben nach dem Leben, in dem die ursprüngliche Handlung begangen wurde.

Unser Karma oder unsere Handlungen sind dafür verantwortlich, daß wir in dieser unreinen, verschmutzten Welt geboren wurden und so viele Schwierigkeiten und Probleme erfahren. Unsere Handlungen sind unrein, weil unser Geist vom inneren Gift des Festhaltens am Selbst verunreinigt ist. Das ist die grundlegende Ursache dafür, daß wir Leiden erfahren. Leiden wird durch unsere eigenen Handlungen oder Karma erschaffen – es ist nicht eine Strafe, die wir erhalten. Wir leiden, weil wir in unseren früheren Leben viele nicht-tugendhafte Handlungen angesammelt haben. Die Quelle dieser nicht-tugendhaften Handlungen sind unsere eigenen Verblendungen wie Wut, Anhaftung und die Unwissenheit des Festhaltens am Selbst.

Haben wir einmal unseren Geist vom Festhalten am Selbst und allen anderen Verblendungen gereinigt, werden alle unsere Handlungen ganz natürlich rein sein. Infolge unserer reinen Handlungen oder reinem Karma wird alles, was wir erfahren, rein sein. Wir werden in einer reinen Welt leben, einen reinen Körper besitzen, eine reine Umgebung genießen und von reinen Wesen umgeben sein. Nicht die kleinste Spur von Leiden, Unreinheit oder Problemen wird zurückbleiben. So finden wir das wahre Glück in unserem Geist.

Um mehr über Karma zu erfahren, siehe das Buch Freudvoller Weg.

 

 

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05. Entsagung

Entsagung ist nicht der Wunsch, unsere Familie, unsere Freunde, unser Heim, unsere Arbeit oder ähnliches aufzugeben und wie ein Bettler zu werden. Es ist ein Geist, der die Funktion hat, Anhaftung an weltliche Vergnügen aufzugeben, und der die Befreiung von verunreinigter Wiedergeburt anstrebt.

Wir müssen lernen, unsere Anhaftung durch die Praxis der Entsagung aufzugeben, sonst wird sie unsere reine spirituelle Praxis ernsthaft behindern. So wie ein Vogel, dem Steine an die Beine gebunden wurden, nicht fliegen kann, so können wir keine Fortschritte auf dem spirituelle Pfad machen, wenn wir durch die Ketten der Anhaftung gefesselt sind.

Die Zeit für die Praxis der Entsagung ist genau jetzt, vor unserem Tod. Wir müssen unsere Anhaftung an weltliche Vergnügen abbauen, indem wir erkennen, daß sie uns täuschen und uns keine wirkliche Befriedigung geben können. Tatsächlich führen sie nur zu Leiden.

Dieses Menschenleben mit all seinen Leiden und Problemen ist eine sehr gute Gelegenheit, unsere Entsagung und unser Mitgefühl zu verstärken. Wir sollten diese kostbare Gelegenheit nicht verschwenden.

Die Realisation der Entsagung ist das Tor, durch das wir in den spirituellen Pfad zur Befreiung, Nirvana, eintreten. Ohne Entsagung ist es unmöglich, den Pfad zum höchsten Glück von Nirvana zu betreten, geschweige denn darauf fortzuschreiten.

Um unsere Entsagung zu entwickeln und zu verstärken, können wir wiederholt über das Folgende nachdenken:

Weil mein Bewußtsein anfangslos ist, habe ich unzählige Wiedergeburten in Samsara angenommen. Ich hatte unzählige Körper; wenn man sie alle zusammenbringen würde, würden sie die ganze Welt ausfüllen, und das Blut und die anderen Körperflüssigkeiten, die durch sie geflossen sind, würden einen Ozean bilden. Meine Leiden in allen diesen früheren Leben waren so groß, dass die Tränen des Kummers, die ich vergossen habe, einen weiteren Ozean bilden würden.

In jedem einzelnen Leben litt ich unter Krankheit, Altern, Tod, dem Umstand, von meinen Liebsten getrennt zu sein, und dem Unvermögen, meine Wünsche zu erfüllen. Ich werde diese Leiden in unzähligen zukünftigen Leben wieder und wieder erfahren müssen, wenn ich in diesem Leben die beständige Befreiung von Leiden nicht erreiche.

Wir denken darüber nach und fassen aus tiefstem Herzen den festen Entschluss, Anhaftung an weltliche Vergnügen aufzugeben und die beständige Befreiung von verunreinigter Wiedergeburt zu erlangen. Indem wir diesen Entschluss in die Praxis umsetzen, können wir unsere Anhaftung unter Kontrolle bringen und viele unserer täglichen Probleme lösen.

Um mehr über Entsagung zu erfahren, siehe die Bücher Das neue Meditationshandbuch und Freudvoller Weg.

 

 

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06. Mitgefühl

Mitgefühl ist die eigentliche Essenz eines spirituellen Lebens und die Hauptpraxis derjenigen, die ihr Leben der Erlangung der Erleuchtung widmen. Es ist der Ursprung der Drei Erhabenen Juwelen – Buddha, Dharma und Sangha.

Es ist der Ursprung Buddhas, weil alle Buddhas aus Mitgefühl hervorgehen. Es ist der Ursprung des Dharmas, weil Buddhas ausschließlich aus Mitgefühl für andere Dharma-Unterweisungen erteilen. Es ist der Ursprung des Sanghas, weil wir durch Zuhören und Praktizieren von Dharma-Unterweisungen, die aus Mitgefühl gegeben wurden, zu Sangha oder Höheren Wesen werden.

Was genau ist Mitgefühl? Mitgefühl ist ein Geist, der durch die Wertschätzung anderer Lebewesen motiviert ist und sich wünscht, sie von ihren Leiden zu erlösen.

Es ist möglich, dass wir aus einer selbstsüchtigen Absicht heraus wünschen, dass eine andere Person von ihrem Leiden befreit wird; das kommt in Beziehungen, die in erster Linie auf Anhaftung beruhen, oft vor. Ist unser Freund zum Beispiel krank oder deprimiert, so wünschen wir uns vielleicht, dass er sich schnell erholt, so dass wir seine Gesellschaft wieder genießen können. Dieser Wunsch aber ist im Grunde ichbezogen und kein wahres Mitgefühl. Wahres Mitgefühl beruht zwangsläufig auf der Wertschätzung anderer.

Obwohl wir bereits einen gewissen Grad an Mitgefühl besitzen, ist es zur Zeit sehr voreingenommen und begrenzt. Wenn unsere Familie und unsere Freunde leiden, entwickeln wir leicht Mitgefühl für sie, doch wir finden es viel schwieriger, Sympathie für scheinbar unangenehme Leute oder auch für Fremde zu empfinden.

Außerdem haben wir Mitgefühl für diejenigen, die an manifesten Schmerzen leiden, aber nicht für diejenigen, die in guten Verhältnissen leben und ganz besonders nicht für diejenigen, die schädliche Handlungen begehen.

Wenn wir wirklich unser Potential verwirklichen möchten, indem wir volle Erleuchtung erlangen, müssen wir den Rahmen unseres Mitgefühls ausdehnen, bis er alle Lebewesen ohne Ausnahme umfasst, genauso wie eine liebende Mutter Mitgefühl für alle ihre Kinder empfindet, unabhängig davon, ob sie sich gut oder schlecht benehmen.

Dieses allumfassende Mitgefühl ist das Herz des Mahayana-Buddhismus. Im Gegensatz zu unserem jetzigen, begrenzten Mitgefühl, dem Mitgefühl, das ab und zu ganz natürlich entsteht, muss allumfassendes Mitgefühl durch Schulung über lange Zeit hinweg entwickelt werden.

Um mehr über Mitgefühl zu erfahren, siehe die Bücher Acht Schritte zum Glück, Allumfassendes Mitgefühl und Sinnvoll zu betrachten.

 

 

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07. Bodhichitta

Das edelste gute Herz bedeutet Bodhichitta. «Bodhi» ist der Sanskrit-Begriff für «Erleuchtung» und «chitta» ist das Wort für «Geist»; «Bodhichitta» bedeutet somit wörtlich «Erleuchtungsgeist».

Er wird als ein Geist definiert, der durch Großes Mitgefühl für alle Lebewesen motiviert, spontan die Erleuchtung anstrebt.

Bodhichitta entsteht aus Großem Mitgefühl, und dieses hängt von wertschätzender Liebe ab.

Wertschätzende Liebe kann man mit einem Feld, Mitgefühl mit den Samen, Nehmen und Geben mit der besten Methode, die Samen zur Reife zu bringen, und Bodhichitta mit der Ernte vergleichen.

Die wertschätzende Liebe, die durch die Praxis des Austauschens vom Selbst mit anderen erzeugt wird, ist tiefgründiger als die wertschätzende Liebe, die durch andere Methoden entwickelt wird, und deshalb sind auch das resultierende Mitgefühl und der resultierende Bodhichitta tiefgründiger.

Ohne Großes Mitgefühl kann der spontane Wunsch, alle Lebewesen von Leiden zu befreien – Bodhichitta – nicht in unserem Geist entstehen. Besitzen wir aber Großes Mitgefühl, insbesondere das Große Mitgefühl, das durch das Austauschen vom Selbst mit anderen erzeugt wird, dann wird Bodhichitta ganz natürlich entstehen. Die Stärke unseres Bodhichittas hängt vollkommen von der Stärke unseres Großen Mitgefühls ab.

Unter allen Dharma-Realisationen ist Bodhichitta die erhabenste. Dieser zutiefst mitfühlende Geist ist die eigentliche Essenz der Schulung eines Bodhisattvas. Das gute Herz von Bodhichitta zu entwickeln ermöglicht es uns, unsere Tugenden zu vervollkommnen, alle unsere Probleme zu lösen, unsere Wünsche zu erfüllen und die Kraft zu entwickeln, anderen auf die bestmögliche und nützlichste Art und Weise zu helfen.

Bodhichitta ist der beste Freund, den wir haben, und die höchste Tugend, die wir entwickeln können. Im allgemeinen bezeichnen wir jemanden, der nett zu seinen Freunden ist, sich um seine Eltern kümmert und freizügig für gute Zwecke spendet, als einen guten Menschen; aber wieviel lobenswerter ist eine Person, die ihr ganzes Leben der Linderung der Leiden eines jeden fühlenden Wesens gewidmet hat!

Atisha hatte viele Lehrer. Guru Serlingpa aber verehrte er mehr als alle anderen. Sobald er Serlingpas Namen hörte, verbeugte er sich. Als Atishas Schüler ihn fragten, weshalb er Serlingpa mehr schätze als seine anderen Lehrer, antwortete er: «Es ist der Güte Guru Serlingpas zu verdanken, dass ich fähig war, das gute Herz von Bodhichitta zu entwickeln.» Durch die Kraft seines Bodhichittas war Atisha in der Lage, jedem, dem er begegnete, große Freude und großes Glück zu schenken, und was immer er tat diente dem Wohl anderer.

Um mehr über Bodhichitta zu erfahren, siehe die Bücher Acht Schritte zum Glück, Allumfassendes Mitgefühl und Sinnvoll zu betrachten.

 

 

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08. Endgültige Wahrheit – Leerheit

Leerheit ist nicht “nichts”, sondern die wahre Natur der Phänomene. Endgültige Wahrheit, Leerheit und endgültige Natur der Phänomene sind dasselbe.

Es sollte uns klar sein, dass alle unsere Probleme entstehen, weil wir die endgültige Wahrheit nicht realisieren. Der Grund, weshalb wir im Gefängnis Samsaras bleiben, ist der, dass wir aufgrund unserer Verblendungen weiterhin verunreinigte Handlungen ausführen. Alle unsere Verblendungen sind auf die Unwissenheit des Festhaltens am Selbst zurückzuführen.

Die Unwissenheit des Festhaltens am Selbst ist der Ursprung unserer gesamten Negativität und unserer Probleme, und der einzige Weg, sie zu beseitigen, ist, Leerheit zu realisieren. Leerheit ist nicht einfach zu verstehen: es ist jedoch äußerst wichtig, dass wir uns darum bemühen. Letzen Endes werden unsere Anstrengungen durch die dauerhafte Beendigung von allen Leiden und die immerwährende Glückseligkeit der vollen Erleuchtung belohnt werden.

Der Zweck, Leerheit zu verstehen und über sie zu meditieren, ist, unseren Geist von falschen Vorstellungen und fehlerhaften Erscheinungen zu befreien, damit wir ein vollkommen reines oder erleuchtetes Wesen werden.

In diesem Zusammenhang bezieht sich “falsche Vorstellung” auf den Geist der Unwissenheit des Festhaltens am Selbst, einen begrifflichen Geist, der Objekte als wahrhaft existierend festhält. “Fehlerhafte Erscheinung” bezieht sich auf die Erscheinung von wahrhaft existierenden Objekten. Falsche Vorstellungen sind Behinderungen zur Befreiung und fehlerhafte Erscheinungen sind Behinderungen zur Allwissenheit. Nur ein Buddha hat beide Behinderungen aufgegeben.

Es gibt zwei Arten des Festhaltens am Selbst: Festhalten am Selbst von Personen und Festhalten am Selbst von Phänomenen. Die erste Art hält an unserem eigenen Selbst oder Ich bzw. dem Selbst oder Ich von anderen als wahrhaft existierend fest. Die zweite Art hält jedes andere Phänomen, das nicht unser eigenes oder das Selbst von anderen ist, als wahrhaft existierend fest. Geistesarten, die an unserem Körper, unserem Geist, an unserem Besitz und unserer Welt als wahrhaft existierend festhalten, sind alles Beispiele des Festhaltens am Selbst von Phänomenen.

Der Hauptzweck der Meditation über Leerheit besteht darin, beide Arten des Festhaltens am Selbst zu verringern und schließlich zu beseitigen. Das Festhalten am Selbst ist die Quelle all unserer Probleme; das Ausmass unseres Leidens ist direkt proportional zur Intensität unseres Festhalten am Selbst.

Ist zum Beispiel unser Festhalten am Selbst sehr stark ausgeprägt, dann fühlen wir einen intensiven geistigen Schmerz, wenn andere uns necken, selbst wenn es freundschaftlich gemeint ist. Wenn hingegen unser Festhalten am Selbst schwach ist, lachen wir einfach mit. Haben wir einmal unser Festhalten am Selbst zerstört, dann verschwinden all unsere Probleme von allein. Die Meditation über Leerheit ist sehr hilfreich, um Kummer und Sorgen, und sei es nur vorübergehend, zu überwinden.

Um mehr über Leerheit zu erfahren, siehe die Bücher Das neue Meditationshandbuch, Herz der Weisheit und Ozean von Nektar.

 

 

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